10 Fragen zu Digitalradio in Österreich

1. Was ist Digitalradio? Was ist DAB+?

Digitalradio ist die digitale terrestrische Übertragung von Radiosignalen, zusätzlich zu der bisher rein analogen terrestrischen Übertragung über Ultrakurzwelle. Digital Audio Broadcasting (DAB+) bezeichnet den digitalen Übertragungsstandard, vergleichbar mit den Begriffen UKW für analoge terrestrische Übertragung oder IP für das Online-Streaming von Radioprogrammen.

2. Was unterscheidet Digitalradio von UKW bzw. Radio über Internet?

Der Digitalradiostandard DAB+ bietet einen sehr effizienten Weg, terrestrischen Hörfunk störungsfrei auszustrahlen und kann im Gegensatz zu UKW nicht nur Audiosignale übertragen, sondern auch andere Daten wie Texte, Bilder und interaktive Elemente.

Radio über Internet (sowohl stationär auf PC oder Laptop, sowie mobil via Handy) bezeichnet zum einen ausschließlich über das Web empfangbare Audioprogramme, zum anderen Simultanübertragung der UKW-Programme der Radiosender im Internet (inklusive  der Werbeblöcke aus dem UKW-Programm). Darüber hinaus sind Streaming-Dienste (On-Demand-Music) wie Spotify verfügbar, die ihren Usern - meist auf Abo-Basis – Musik und Playlists bieten, die aber nicht heruntergeladen oder gekauft werden können. Für gleichmäßig gute Übertragungsqualität sind die Anbieter von Internetradio auf verfügbare Bandbreiten angewiesen. 

UKW ist die herkömmliche Art, Radio über Antenne zu empfangen. Die Qualität ist abhängig vom Sendesignal, und es können keine zusätzlichen Dienste angeboten werden.

Digitalradio kann über geeignete Geräte und ohne Internetverbindung empfangen werden (siehe auch Frage 10)

3. Warum brauche ich Digitalradio? Welche Vorteile bietet DAB+ für den Radiohörer?

 Digitalradio bietet drei wesentliche Vorteile:

  • Mehr Vielfalt an Programmen, Medien und Meinung
  • Mehr Zusatzdienste und Interaktivität
  • Deutlich bessere Empfangsqualität (rauschfrei) und einfacher in der Sendersuche

Was bedeutet mehr Vielfalt an Programmen, Medien und Meinung?

Die Frequenzen für UKW sind rein technisch limitiert und vergeben. Mehr Vielfalt in der Hörfunklandschaft ist daher nur mit neuen Übertragungsstandards möglich. War bisher für ein UKW-Programm eine Sendestation notwendig, so können digital ca. 18 Programme über einen einzigen Sender ausgestrahlt werden. Damit können auch kleine Radiostationen ihr Programm günstiger senden, und der Radionutzer bekommt eine höhere Programmvielfalt.

Darüber hinaus macht es digitales Radio möglich, auf einem Programmplatz unterschiedliche Programme zu senden. Was bedeutet das für den Hörer? Bei Großevents oder zeitgleich stattfindenden Fußballspielen sind keine Programmunterbrechungen oder Zuschaltungen  mehr notwendig, sondern es können auf einem Programmplatz mehrere Programme ausgeliefert werden. Das Radio wird zum individuellen Massenmedium.

Welche Zusatzdienste und interaktive Services sind mit Digitalradio möglich?

Mit DAB+ können neben üblichen Radioprogrammen auch multimediale und interaktive Zusatzdienste angeboten werden. Besonders hervorzuheben sind:

  • Emergency Warning Functionality (EWF): EWF ermöglicht als Zivilschutzsystem, die Bevölkerung im Falle von Katastrophen (Hochwasser, Chemieunfall, …) schnell und umfangreich zu warnen.
  • Transport Protocol Experts Group (TPEG): Mit TPEG werden Verkehrsinformationen mit viel höherer Detaillierung bei geringerer zeitlicher Verzögerung als beim bisher eingesetzten RDS-TMC übermittelt. Das heißt unter anderem auf den Meter genaue Angaben von Geisterfahrermeldungen, Staustufen, aktuelle durchschnittliche Fahrgeschwindigkeiten, etc. Weiters können auch Informationen über Alternativrouten, Parkplatzinformationen, Anbindungen an öffentliche Verkehrsmittel (Fahr- und Flugpläne) übermittelt werden – in mehreren Sprachen. Die Announcements mit wichtigen Gefahrenmeldungen und Verkehrsinformationen schalten sich automatisch ein, auch wenn z.B. gerade eine CD am Gerät abgespielt wird.
  • Dynamic Label Service+ (DLS): Damit sind programmbegleitende Textinformationen gemeint, wie Interpret, Songtitel, Albumname etc., die am Radiodisplay ablesbar sind und für späteres Abrufen auch gespeichert werden. In Zukunft kann der Radiohörer seine Lieblingssongs direkt am Display liken, mit seinen Freunden teilen, auf die persönliche Playlist setzen oder über einen Online-Store downloaden. Radio verschmilzt zunehmend mit dem gewohnten Medienkonsum.
  • Radio VIS und „Slideshow Service (SLS)“: Bildinformationen wie Albumcover, Senderlogos können am Display dargestellt werden.
  • File Collector: Damit wird eine zeitversetzte Radionutzung ermöglicht und es können Rundfunkangebote wie etwa Nachrichtenblöcke per Schaltflächendruck auch außerhalb ihres Sendeplatzes gehört werden.
  • Journaline: Parallel zum Radioprogramm werden Informationen wie Wetterinfos, Börsendaten, Sportergebnisse, Nachrichten etc. abgerufen.
  • Broadcast Web Site (BWS): programmergänzende Webseiten können direkt am Radiodisplay aufgerufen werden.

Einfache Sendersuche, rauschfreier Empfang

Digitales Radio beinhaltet einen „Electronic Programme Guide (EPG)“, also eine Programmübersicht mit inhaltlicher Beschreibung zum schnellen Auffinden des Radioprogrammes. Statt dem Suchen einer Frequenz wird einfach der gewünschte Sender ausgewählt. Digitales Radio ist damit die zeitgemäße Hörfunkübertragungstechnologie und bietet einen störungsfreien und glasklaren Empfang, bei Bedarf auch in Surround 5.1.

4. Welche Vorteile bietet DAB+ für Programmanbieter?

Radio ist der letzte Rundfunkbereich in Österreich, der noch nicht digital-terrestrisch ausgestrahlt wird. Hörfunk benötigt aber einen eigenen und kostengünstigen terrestrischen digitalen Verbreitungsweg, wenn es langfristig überleben bzw. sich weiterentwickeln soll.

Die digitale Verbreitung ist gegenüber der analogen Technik deutlich günstiger und energieeffizienter:

Ein signifikanter Vorteil für die Rundfunkbetreiber liegt in der gemeinsamen Nutzung der Sendernetzinfrastruktur, wodurch sich die Kosten für den Betrieb eines einzelnen Programms auf einen Bruchteil der UKW-Verbreitungskosten reduzieren. Dies spart entsprechend Energie und bedarf weniger Sendeanlagen, womit Digitalradio im Standard DAB+ auch gerne als „green radio“ bezeichnet wird.

War bisher für ein UKW-Programm eine Sendestation notwendig, so können digital ca. 18 Programme über einen einzigen Sender ausgestrahlt werden. Damit können auch kleine Radiostationen ihr Programm günstiger senden, und der Radionutzer bekommt eine höhere Programmvielfalt.

5. Wird es UKW in Zukunft nicht mehr geben? Welche Rolle wird Internetradio spielen?

UKW wird es in Österreich noch einige Jahre geben. Österreich ist eines der letzten Länder, die mit der digitalen Übertragung von Hörfunk beginnen und diesbezüglich noch ein „weißer Fleck“. Der europäische Trend zeigt aber eine klare Entwicklung zur Digitalisierung mittels des Hörfunkstandards DAB+, da viele technische, ökonomische, ökologische und medienpolitische Vorteile damit einhergehen. In vielen europäischen Ländern ist digitales Radio bereits etabliert oder gerade im Aufbau. Niemand wird aber dazu gezwungen, auf DAB-Radio umzusteigen und nicht mehr UKW zu hören.

Internetradio wird zweifellos eine wichtige Rolle spielen. Eine Studie der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und des Bayerischen Rundfunks (BR) zeigt aber, dass der DAB+-Standard für die künftige Radioübertragung unverzichtbar ist. Die Bedeutung des mobilen Webradios werde steigen, kann jedoch auf absehbare Zeit DAB+ nicht ersetzen, heißt es. Insbesondere die nicht vorhandenen Nutzungskosten und die grenzübergreifende Einbettung der Infrastruktur werden zitiert.

Digitalradio ist also ein zusätzliches Angebot für alle Radiohörer. Radio wird mit DAB+ interessanter, vielfältiger, interaktiver und das Medium in allen Ziel- und Altersgruppen generell aufwerten. 

6. Welche Programme sind auf Digitalradio zu hören? Sind das nur Nischensender?

Zu Beginn von Digitalradio ab 28. Mai 2015 werden 14 Programme auf Sendung gehen, betrieben von verschiedenen Radiostationen – von bekannten Radiosendern wie Radio Arabella (zweitgrößter Privatradiosender in Österreich), Radio NRJ, Lounge FM bis hin zu Special-Interest-Sendern wie dem Klassiksender Radio Stephansdom oder Radio Maria. Aber auch Radio-Newcomer gehen an den Start: Radio Technikum, ein Radiosender der FH Technikum Wien, oder Herold.at.

Neben bekannten UKW-Stationen werden auch 10 neue Programme ausgestrahlt, die nur über DAB+ zu empfangen sind und damit die Programmvielfalt in Österreich deutlich erhöhen.

Folgende Radioprogramme sind mit dabei:

Programm

Sender

Inhalte

Arabella – Rock

Radio Arabella GmbH

Rock

Radio Melodie

Radio Arabella GmbH

Super Oldies Mega Schlager

Lounge FM

Livetunes Network GmbH

Lounge

ENERGY Österreich

N&C Privatradio Betr. GmbH Energy Österr.

Hit Music only

Radio Stephansdom Klassik

Stiftung Radio Stephansdom

Klassik

Welle 1

Welle Salzburg GmbH & Co. KG

Hits und Infos

„now radio“
ERF Plus Österreich

ERF Medien Österreich GmbH

„Get inspired!“ (Pop & CCM)

ERF Plus Österreich

ERF Medien Österreich GmbH

Glaube & Gesellschaft

HEROLD relax

Herold Business Data GmbH

Soft Rock & Pop

Radio Maria

Verein Radio Maria Österreich

Christliche Spiritualität

MEGA Radio

MEGA Radio Austria

Inforadio

ARBÖ Verkehrsradio

ARBÖ

Verkehrsinformationen

Radio Technikum

RTG Radio Technikum GmbH

Wissenschaft, Bildung,  Informationen, Classic Hits

Radio Allelon

Radio Allelon

Integrationsradio

SoundTrax Radio

Stevia Communications GmbH

Filmmusik

7. Warum gibt es Digitalradio nur in Wien?

Der Verein Digitalradio Österreich erarbeitete auf Basis der von der Kommunikationsbehörde Austria im Digitalisierungskonzept 2013/14 festgeschriebenen Bestimmungen einen Radiobetrieb im Großraum Wien, der am 28. Mai 2015 startet. Im Sendegebiet können rund 2,1 Millionen Hörer erreicht werden.

8. Wann gibt es Digitalradio österreichweit?

Mit dem Digitalisierungskonzept der KommAustria soll spätestens im ersten Halbjahr 2017 eine oder mehrere Bedeckungen für digitalen terrestrischen Hörfunk im Übertragungsstandard DAB+ ausschrieben werden. Neben Wien sollen weitere Hörfunkcluster im Osten Österreichs sowie in den Landeshauptstädten entstehen, die entlang der Hauptverkehrsadern zusammenwachsen. Damit soll im Großteil Österreichs Digitalradio zu empfangen sein.

9. Warum machen manche Sender wie der ORF nicht mit?

Der ORF hatte großes Interesse, mit einem Spartensender auf DAB+ zu senden. Gemäß ORF Gesetz darf der öffentlich-rechtliche Sender aber kein weiteres eigenständiges Programm machen.

10. Brauche ich spezielle Geräte, um Digitalradio hören zu können?

Um Digitalradio empfangen zu können, müssen die Geräte DAB+ fähig sein. Diese sind bereits im Handel ab 30 Euro erhältlich bzw. standardmäßig in immer mehr Autoradios eingebaut.

Facts zum Empfang von DAB+:

  • Digitalradio kann ohne Internetverbindung empfangen werden
  • Jedes DAB+-fähige Gerät kann auch herkömmlichen UKW empfangen
  • Hybridradios können zwischen digitalem, analogem oder Internetsignal unterscheiden und je nach Signalstärke automatisch wechseln
  • DAB+ wird auch mit Smartphones und Tablets zu empfangen sein