Digitalisierung des Hörfunks

Die Mediengattung "Hörfunk" ist der letzte Rundfunkbereich in Österreich, der noch nicht digital-terrestrisch ausgestrahtl wird. Der europäische Trend zeigt eine klare Entwicklung zur Digitalisierung mittels des Hörfunkstandards DAB+, da viele technische, ökonomische, ökologische und medienpolitische Vorteile damit einhergehen. Radio benötigt einen eigenen und kostengünstigen terrestrischen digitalen Verbreitungsweg, wenn es um das langfristige Überleben sowie die Weiterentwicklung von „Radio“ geht.

Da es sich beim Aufbau digitaler Rundfunksendernetze um ein Infrastrukturprojekt im öffentlichen Interesse handelt, ist eine ausführliche Analysephase vorangegangen. Ein signifikanter Vorteil für die Rundfunkbetreiber liegt in der gemeinsamen Nutzung der Sendernetzinfrastruktur, wodurch sich die Kosten für den Betrieb eines einzelnen Programms auf einen Bruchteil der UKW-Verbreitungskosten reduzieren. Dies spart entsprechend Energie und bedarf weniger Sendeanlagen, womit Digitalradio im Standard DAB+ auch gerne als „green radio“ bezeichnet wird.

Radionutzung in Österreich

Österreich hat eine sehr hohe und stabile Radionutzung. Durch die jederzeitige und kostenlose Verfügbarkeit hören täglich 80% der Österreicher im Schnitt 191 Minuten Radio (s. Radiotest 2. HJ 2014). Damit ist das Medium Radio der wichtigste Tagesbegleiter und es gibt den Menschen Orientierung. Millionen Menschen sind dabei, beim Radio – täglich, und alle mit ungeahnter Leidenschaft. Auch wird eine stärker werdende Nutzung von Internetdiensten wahrgenommen, die zu einer Veränderung der klassischen analogen Medienwelt führt. IP-basierte on-demand-Dienste werden in Regionen mit gutem Breitbandausbau genutzt und sind für die Weiterentwicklung der Mediengattung Radio auch wichtig, aber nicht entscheidend für den langfristigen Erhalt von Radio (gilt sowohl für öffentlich-rechtlich wie auch privat betriebene Programme).

Wirtschaftlichkeit und Zusatzdienste

Daher ist es zum wirtschaftlichen Erhalt der flächendeckenden Rundfunkterrestrik und für die Mediengattung Radio selbst unabdingbar, den Nutzern ein zeitgemäßes „free-to-air“ Hörfunkmedium mit digitalen Zusatzdiensten zur Verfügung zu stellen und den Hörfunkanbietern einen eigenen, kostengünstigen digital-terrestrischen Verbreitungsweg zu ermöglichen. Denn die digitale Abstrahlung der Radioprogramme ist für Hörfunkveranstalter die günstigste Form ihre Hörer in beliebiger Anzahl zu erreichen, wohingegen einschlägige Studien belegen, dass Radio als Internet-Streamingdienst sowohl für die Veranstalter als auch die Hörer um ein Vielfaches teurer kommt und somit keine Alternative für die zeitgleiche Massenverbreitung darstellen kann.

Digitalradio im Standard DAB+ kann neben einer klassischen Hörfunknutzung über Zusatzdienste programm-begleitende oder programmunabhängige Informationen visuell verfügbar machen. Das können z.b. Wetter- und Umweltdaten, Börsedaten, Sportergebnisse, Verkehrsinformationen oder einfach die Platten-Cover der jeweils gespielten Lieder sein, die am Display wiedergegeben werden. Mittels rückkanalfähiger Endgeräte ist eine Verschränkung mit dem Internet möglich, wo entweder Verlinkungen zu Onlinediensten mitübertragen werden, oder sogar interaktives Radioprogramm realisierbar ist.

Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit im Falle einer Katastrophe (z.B. Hochwasser) mittels EWF – „emergency warning functionality“ – die Bevölkerung schnell und umfangreich zu warnen und zu informieren.

Radiogeräte und Empfang

Für den Empfang sind Radiogeräte mit eingebautem DAB+-Chip notwendig, die rasch in großer Vielfalt im Handel verfügbar gemacht werden können. Jedes DAB+-fähige Gerät kann auch herkömmlichen UKW-Empfang gewährleisten, was in der Simulcastphase, also dem Parallelbetrieb von Digital- und Analogabstrahlung, von großer Bedeutung ist. Sogenannte Hybrid-Radios beherrschen auch die Möglichkeit Webradio zu empfangen, womit der Brückenschlag zur Internettechnologie erfolgt und sich viele neue Möglichkeiten der Unterhaltung, Information und Werbung realisieren lassen. Es darf davon ausgegangen werden, dass zeitnah auch die ersten Smartphones und Tablets mit eingebautem DAB+-Chip in Europa verfügbar werden. Dieses Anliegen wird von der europäischen Initiative „Smart Radio“ vorangetrieben und mittlerweile auch von der Politik, etwa in Deutschland, unterstützt.

Die Fahrzeughersteller sind wichtige Player, da Radio besonders häufig im Fahrzeug gehört wird. Die Anzahl der Fahrzeugmodelle, die einen Digitalradioempfang in der Standardausführung oder optional vorsehen, wächst ständig. In DAB+ ist TPEG als Standard für multimodale und multilinguale Verkehrsinformationen bereits integriert. Damit können sehr umfangreiche Daten in kürzester Zeit in die Fahrzeuge und Navigationsgeräte gelangen. Dies sind etwa Stau- und Geisterfahrerwarnungen, Baustellen, die aktuellen Tempolimits für geschwindigkeitsbeinflussbare Straßenabschnitten (z.B. IG-L), sowie die Übertragung von Fahrplänen öffentlicher Verkehrsmittel, freie Plätze in Parkhäusern oder freie Stromtankstellen und vieles andere mehr, womit sich der Verkehr optimieren lässt.

Digitales Radio ist damit die zeitgemäße Hörfunkübertragungstechnologie und bietet im Vergleich zu UKW eine Vielzahl an Mehrwerten. Dass gleichzeitig ein störungsfreier und glasklarer Empfang, bei Bedarf auch in Surround 5.1, gewährleistet wird, ergänzt nur die Liste der Vorteile.

Testbetrieb im Großraum Wien

Der Verein Digitalradio Österreich erarbeitete auf Basis der von der Kommunikationsbehörde Austria im Digitalisierungskonzept 2013/14 festgeschriebenen Bestimmungen einen Testbetrieb im Großraum Wien, der im Mai 2015 starten wird. Dieser zumindest für ein Jahr stattfindende Test soll den Rundfunkveranstaltern die Möglichkeit einräumen, ein für sich geeignetes Setup für einen anschließenden Regelbetrieb zu finden. In dieser Zeit werden ebenso senderseitig technische Parameter ausgetestet, die für eine Optimierung des späteren Regelbetriebs-Sendernetzes relevant sein können. Nach erfolgreicher Beendigung des Testbetriebes soll rasch ein Regelbetrieb mit österreichweitem Rollout erfolgen. Ein wesentlicher Hintergrund liegt hierbei in der Sicherung der zur Verfügung stehenden Frequenzblöcke mit entsprechend adäquaten Sendeleistungen, die in der Koordination mit dem Ausland selbstverständlich besser für den Eigenbedarf zu argumentieren sind, als dauerhaft brachliegende Ressourcen. Es besteht durchaus die Gefahr, dass sonst ein Sendernetz deutlich teurer als notwendig werden könnte, weil dann in Grenznähe neue Sender gebraucht werden, da bestehende Großsendeanlagen möglicherweise nicht mehr in Rundstrahlausrichtung sinnvoll nutzbar wären.

Damit die Bevölkerung im Großraum Wien bereits während des Tests von Digitalradio profitieren kann, werden neben von UKW bekannten Stationen auch viele neue Programme, die nur über DAB+ zu empfangen sind, abgestrahlt.